Drei Frauen »Ü60« und drei »Veloträume«
Daher, liebe Freunde der gepflegten Unterhaltung, seht mir bitte diesen Ausflug in die Velotraum-Gefilde nach, den die Globetrotterin und Wegbereiterin Dorothee Fleck ausgelöst hat.
Viele Leserinnen und Leser werden sich nun fragen: »Dorothee, wer?« – Lange bevor Sabbaticals, Work and Travel und Abenteuerreisen zum Megatrend wurden, umrundete Dorothee die Welt mit dem Fahrrad. Sie war mutmaßlich die erste Frau, die Afrika solo umrundet hat. Die meisten der über 200.000 km legte sie mit einem Fahrrad von Velotraum zurück. Mit ihrer unprätentiösen und authentischen Art wurde sie zur idealen Markenbotschafterin. Daraus ist eine langjährige, wertschätzende Beziehung entstanden, die wir bis heute lose aufrechterhalten.
Wer mehr zu Dorothee erfahren möchte besucht am besten ihre Homepage Women’s Cycling Guide . Die anekdotenreichen Blogartikel auf der »alten« Velotraum-Homepage sind leider nicht mehr öffentlich zugänglich. Die folgende Anekdote hätte sich da ganz wunderbar eingefügt … Vor ein paar Tagen, mitten in der Hitzewelle, erreichte mich eine typische Dorothee-Fleck-Mail:
»Lieber Stefan, gerade habe ich mal wieder etwas auf deiner Storytelling-Webseite geschmökert. Nur kurz wollte ich sie wieder anschauen, und schwupps, waren wieder Stunden vorbei. So viele neue Beiträge mit wunderbaren Fotos, vielen Dank dafür. Bei dieser Hitze möchte ich sowieso nicht raus, da kam deine Webseite gerade recht.
Eigentlich wollte ich dir schon lange von unserer Vogesen-Tour Ende Mai berichten. Das könnte ich jetzt auch nach Art der »Heldenreise« aufbauen, aber ich fasse mich kurz.
Ende Mai war ich in den Vogesen zu einem großen 60. Geburtstag eingeladen. Für mich war von Anfang an klar, dass ich mit dem Velotraum hinfahre. Eine Freundin, die schon lange einmal mit mir eine kleine Tour mit Wildzelten – neudeutsch auch »Overnighter« genannt – machen wollte, war ebenfalls auf das Fest eingeladen. Ich erzählte ihr von meinem Plan, in zwei Tagen genussvoll dorthin zu radeln, und sie war sofort begeistert und dabei. Unversehens kam dann noch eine dritte Festbesucherin beziehungsweise Mitradlerin dazu, die am Bahnhof in Lahr zu uns stieß.
Und jetzt kommt der springende Punkt: Dass ich ein Velotraum habe, ist ja bekannt. Dass meine Freundin, die früher in Weil der Stadt gewohnt hat, auch ein Velotraum hat, hatte ich fast vergessen. Als dann die Dritte im Bunde aus Appenweier ebenfalls mit einem Velotraum aus dem Zug stieg, war ich doch sehr erstaunt. Drei Frauen über 60 mit drei Veloträumen. Das älteste Rad ist sicher über 20 Jahre alt, denn der Velotraum-Schriftzug war noch oben draufgeklebt und noch nicht unter dem Klarlack. Das Velotraum meiner Freundin ist wahrscheinlich jünger als meins, das jetzt 15 Jahre alt ist und mit Sicherheit die meisten Kilometer drauf hat.
Apropos jünger und älter: Seit ich die Vision hatte, dass ich noch mit 80 Jahren Radreisen machen werde, möchte ich mir ein neues Reiserad zulegen. Nur »leider« habe ich das Problem, dass mein Velotraum noch viel zu gut läuft. Du siehst, deine Räder werden noch sehr lange Bestand haben.«
Was für eine schöne Nachhall- und Langzeitwirkung eines Lebenswerks! Da darf es einem schon mal warm ums Herz werden, und das nicht nur wegen der 38 Grad Celsius, die es draußen hat.
Frank Wein
am #Aebby
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