Stefan Stiener Vita
Mein Lebenslauf ist ziemlich überschaubar und umfasst geradezu aufreizend wenige Stationen: Jahrgang 1961, Grundschule, Realschule, Lehre zum Bauzeichner, Abitur auf dem zweiten Bildungsweg, Architekturstudium (nicht abgeschlossen) und von 1986 bis 2023 Unternehmer. 1990 ist mit meiner Frau Patricia, die mit Abstand glücklichste von vielen anderen glücklichen Fügungen in mein Leben getreten.
So überschaubar meine Lebenstationen waren so haben sie doch in vielfältigster Weise zusammengewirkt und im Rückblick – »das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden« – ist da die rote Linie Ich-mach-mein-Ding deutlich zu sehen. In meinem unternehmerischen Lebenswerk wird das besonders sichtbar.
Die Gründerstory
Kurz nach Beginn meines Architekturstudiums habe ich zusammen mit einem ehemaligen Freund ein Fahrrad-Keller-Geschäft gegründet (1986), heute würde man sagen ein Start-up. Dass aus diesem Hobby-G’schäftle einmal eine Fahrradmanufaktur und Marke werden würde, noch dazu mit mir als prägendem »Kopf«, hätte ich mir damals nicht träumen lassen. Und doch ist die spannende Geschichte von Velotraum rückblickend ein klar vorgezeichneter Weg, geprägt von persönlichen Leidenschaften und Überzeugungen.
»Wer jemand ist oder war, können wir nur erfahren, wenn wir seine Lebensgeschichte kennen; alles andere, was wir von ihm wissen …, betrifft nur die Qualitäten, die er mit anderen teilt.«
Es war 1981, als ein gewaltiger Satz im Weitsprung mit einer Bruchlandung bei 6,70 Meter meinen Ambitionen als Kaderathlet ein jähes und folgenreiches Ende bereitete. Denn nach zwei Wochen Gips am lädierten Kniegelenk wurde das im Keller fast vergessene Sporttourenrad meines Vaters zur »Krücke«, also zur einzigen Möglichkeit der Fortbewegung und sportlichen Betätigung. Die »Krücke« Fahrrad sollte dann innerhalb weniger Jahre mein Lebensgefühl bestimmen. Denn im Fahrrad fand ich ein Vehikel, das mich als Person in vielfältiger Weise »erweiterte«. Die Geschwindigkeit der Fortbewegung, die veränderte Wahrnehmung auf dem Rad, die Selbstbestimmtheit, das Schwimmen gegen die motorisierte Springflut, ein gewisses Außenseiterdasein, aber auch Understatement und Protesthaltung, der enorme Aktionsradius, Naturnähe und Naturerlebnis, die Lust am dahintreibenden und selbstbewegten Unterwegssein. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Persönliches von 1985 bis 2025
Authentizität oder »wie der Herr, so sein Gescherr« - meine mannigfaltigen Aufgaben bei Velotraum waren Marken- und Produktentwicklung, Beratung und Verkauf, Disposition, Inhalte der Website, Fotografie und gedruckte Broschüren. Dabei habe ich mich immer als kreativen Handwerker mit Bodenhaftung verstanden, dem Verallgemeinerungen, Superlative und Perfektionsversprechen immer suspekt waren. Als pragmatischer Produkt- und Markendesigner ging es mir immer um » Wirksamkeit« und darum, »gute Dinge um ihrer selbst willen besser zu machen«. Dass ich diese Geisteshaltung leben und mit dem Portfolio von Velotraum umsetzen durfte, war ein großes, wenn auch forderndes Privileg. Als »Chronist« hatte ich zudem ein Höchstmaß an inhaltlicher Beinfreiheit und Kompetenz, um auf der Velotraum-Website eine besondere Mischung aus Schöngeistigem, Fundiertem und Authentischem aus erster Hand anbieten zu können. Eine einmalige Konstellation, die für alle Velotraum-Freunde und -Kunden sicher ihren ganz besonderen Reiz hatte. Als Quereinsteiger eine so umfassende und erfüllende Tätigkeit ausüben zu können, habe ich daher immer als glückliche Fügung empfunden.
Natürlich schafft man ein solches Lebenswerk nicht allein. Es gehören immer andere Menschen und eine große Portion Glück dazu. Ich danke allen, die mich auf diesem Weg unterstützt und begleitet haben, allen voran meiner Frau Patricia.
April 2024 | Ein Lebenswerk mit Happy End
Während viele kleine und mittlere Unternehmen – sogenannte KMU – keinen Nachfolger finden, konnte ich 2024 mein Lebenswerk, die Marke und das Unternehmen velotraum, das ich 35 Jahre lang geführt und gestaltet habe, an Axel Keller übergeben. Nach dem Verkauf begleitete ich noch 15 Monate den Übergang, bevor ich mich ganz aus dem Unternehmen zurückzog, um neuen Menschen und Ideen den größtmöglichen Raum zu geben. Meinen Nachfolgern und ihrem Team wünsche ich von Herzen viel Erfolg und dass es ihnen gelingt, das nächste Kapitel von Velotraum in ihrem Sinne zu gestalten.
Velotraum | Meilensteine und Werkschau