Zollernalb per Rad – Exkursion und etwas Naturpark
Jetzt war Entstauben angesagt, denn unser neuer Stromer von »deerAbo« hat nun so ein praktisches Ding! Zur »Jungfernfahrt« ging es nach Balingen, um von dort aus die sogenannte »Mammut-Tour« zu fahren.
Statt selbst eine Tour zu planen, habe ich im Internet recherchiert und bin auf der Website des Schwäbischen Alb Tourismusverbandes e. V. fündig geworden. Besonders angesprochen hat mich die Mammut-Tour, die als die längste, anspruchsvollste und abwechslungsreichste Rundtour beschrieben wurde. Sie führt unter anderem zu einem beeindruckenden Wasserfall, durch Wacholderheiden und bietet zahlreiche Ausblicke. Nach dem Import der GPX-Daten in »MapOut« kam ich jedoch kurz ins Grübeln, denn die Strecke wollte so gar nicht zu einigen der genannten Attribute passen. Ein klassischer Fall von Marketing-Prosa oder gar Text-Bild-Schere? Aber warum nicht einfach mal vertrauen? ;-)
Vertrauen hilft, aber nicht immer – ganz offensichtlich passten meine Erwartungen nicht zur Realität der Zollernalb, die vor allem Wirtschafts- und Lebensraum ist und weniger Naturpark. Man radelt häufig durch die zu Stein und Beton gewordenen Aufstiegs- und Wohlstandsversprechen unserer jüngeren Geschichte – jedes »Häusle« eine individuelle Erfolgsgeschichte. Sehr wahrscheinlich können die meisten von euch, liebe Freunde der gepflegten Unterhaltung, einfach durchrollen und gut ist. Bedauerlicherweise fehlt mir dazu die Fähigkeit. Ich betrachte die Orte, Straßenzüge und Häuser durch die verfärbte Brille des ehemaligen Unternehmers und Architektur-Studienabbrechers und versuche, das Gesehene mit meinem durch Zeitungen, Podcasts und Literatur geprägten Weltbild in Einklang zu bringen. Es ist also ein lustiges Ringelreihen aus anekdotischer Evidenz, Confirmation Bias und mehr oder weniger konsistenten Fakten ;-)
Das Gute am Radfahren ist, dass das Treten in die Pedale dabei hilft, Gesehenes einzuordnen und zu verdauen. Am Ende steht die Erkenntnis, dass unser Wohlstand in solchen Regionen immens ist und wir vor Glück und Zufriedenheit eigentlich platzen müssten. Das nehme ich durchaus wahr, aber auch eine Zunahme von Verlustängsten statt Selbstvertrauen, Erstarrung statt Lebendigkeit, Verdrängung statt Anpacken und Aushalten statt Veränderung. Es scheint, als sei einem Land die umfassende, sinnstiftende »Erzählung« – das Narrativ – zumindest temporär abhandengekommen. Woran ich das festmache? An unzähligen großen und kleinen Details. Denn auch für Gebäude bzw. die »gebaute Umwelt« gilt das Axiom von Paul Watzlawick: »Man kann nicht nicht kommunizieren«.
Wie dem auch sei, zurück zu den Dingen, die ich beeinflussen und gestalten kann. Für die nächste Tour werde ich wieder mit »MapOut« planen und dabei meine jahrzehntelange Erfahrung im »Lesen« von Karten und Erstellen von für mich stimmigen Touren nutzen. Das perfekte Werkzeug dafür ist für mich seit vielen Jahren MapOut. Hier gibt es keine vorgegebenen Routen, sondern man plant selbst und hat als Orientierung ein- und ausblendbare Rad- und Wanderwege. Die Übersichtlichkeit, Darstellungsqualität und Lesbarkeit der Landschaft entsprechen dem Niveau guter topografischer Karten – das Reisen und Entdecken beginnt bereits bei der Planung. Und wenn die Strecke nichts taugt, ist man selbst »schuld« ;-)
Aebby
am #Stefan Stiener
am #Mathias Pardo
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