StorytellingStefan Stiener

Entspannter Tapetenwechsel in der Provence

16.05.2026 |

Eigentlich wollten wir nicht schon wieder in die Provence – das letzte Mal waren wir vor 3 Jahren dort. Was für Luxusprobleme!

Aber die Wettervorhersage für die Lagune von Venedig war einfach zu schlecht, während sie in der Provence umso besser war. So entschieden wir uns »notgedrungen« für die Provence, genauer gesagt für die Region um Saint-Rémy-de-Provence.

Und überhaupt schien der ganze »Tapetenwechsel« unter einem ungünstigen Stern zu stehen. Der Dieselpreis lag bei 2,50 EUR, es gab Knappheitsszenarien und dann erwischte mich auch noch eine lästige Erkältung eine Woche vor der geplanten Abreise. Wir fragten uns nicht nur einmal, ob dieser Tapetenwechsel für gerade einmal zwei Wochen überhaupt sein musste und ob wir angesichts der Bedenken (Energiekrise, CO₂-Gewissen) und Widerstände nicht einfach zu Hause bleiben sollten. Letztendlich sind wir dem feinen Stimmchen gefolgt, das tief in uns drin flüsterte: Jetzt erst recht ;-)

Am Samstagabend fuhren wir über leere Autobahnen bis nach Baume-les-Dames, wo es einen sehr angenehmen Stellplatz direkt am Kanal gibt. Am nächsten Morgen ging es über das »Kloster Sainte-Marie de La Tourette« von Le Corbusier, über das ich wahrscheinlich eine eigene Story schreiben werde, nach Viviers. Von dort aus ging es durch eine fürchterlich überbaute Gegend weiter nach Saint-Rémy-de-Provence. Wir hatten uns dort für eine gute Woche einen Platz reserviert, da wir wussten, dass dieser gepflegte und gut ausgestattete Platz in der Vorsaison bereits sehr gut besucht ist. Als wir eintrafen, war der Himmel grau, das Thermometer zeigte 10 Grad Celsius und der Wind pfiff um die Ecken. Doch die Wettervorhersage sollte Recht behalten und uns erwartete herrlichstes provenzalisches Frühlingswetter.

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Erstmals seit Jahren waren wir wieder einmal länger als zwei oder drei Tage an einem Ort. Erst nach und nach gelang es uns, in den Urlaubs- statt Reisemodus zu wechseln. Das heißt, wir haben weniger geplant und mehr in den Tag hineingelebt. Dabei waren das inzwischen frühsommerliche Wetter, der zum Schwimmen geeignete Pool und das ebenfalls urlaubende Umfeld sehr hilfreich. Die Region ist zwar durchaus fürs Radfahren geeignet, allerdings gibt es in der Provence eindeutig attraktivere Regionen. Um das Umland zu erkunden, ist das Fahrrad jedoch unverzichtbar und geradezu ideal. Dabei sind die ausgewiesenen Radstrecken – trotz ihrer vielfältigen Unzulänglichkeiten – in jedem Fall eine gute Orientierung und Empfehlung, insbesondere in Kombination mit MapOut.

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Wie so oft waren die acht Tage auf dem Campingplatz Monplaisir schneller rum als gedacht. Anfangs hatte ich noch Bedenken: »Was sollen wir acht Tage hier machen?«, doch am Ende blickten wir mit wehmütigen Gefühlen der Heimreise entgegen, denn wir hatten uns so gut in der Urlaubsbubble eingerichtet. Nach Hause lockten uns zwei besondere Jazz-Konzerte und die Spezi in Freiburg. Immerhin sollte es ein Urlaubsende in Raten werden. Als Nächstes standen Arles sowie die Abtei von »Saint-Roman« auf dem Programm und im Elsass wollten wir ein weiteres Bauwerk von Le Corbusier (wieder)besuchen: die ikonische Kapelle »Notre-Dame du Haut«, besser bekannt als »Ronchamp«.

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Resumee

Schon während des Urlaubs waren wir froh, »dem feinen Stimmchen« gefolgt zu sein. Die Provence hat wunderschöne Ecken, die dem Provence-Klischee mehr als gerecht werden, aber auch sehr viel vom kompletten Gegenteil. Dennoch – oder gerade deshalb – waren die knapp zwei Wochen genau die Art von Tapetenwechsel, die wir gebraucht hatten. Es war die richtige Mischung aus Bekanntem und Neuem, also Entspannung und Anregung. Wir sind aufgeräumter zu Hause angekommen und sind einmal mehr dankbar und glücklich darüber, dass wir solche Tapetenwechsel »einfach« machen können. Der Tapetenwechsel hat uns geholfen, den Fokus zu verschieben und wieder mehr zu sehen: dass es auf unserem strapazierten Planeten neben dem Banalen, Hässlichen und Zerstörerischen weiterhin so viel Liebevolles und Schönes gibt. Dazu muss man nicht verreisen, sondern nur die »Glotzböbbel« aufmachen – vornehmer ausgedrückt: den Fokus ändern. Aber warum nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden?

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