StorytellingStefan Stiener

Schland, Schland, deine Radwege

31.07.2026 |

Sommer, und ich radele bei 32 Grad Celsius leicht sediert durch die Landschaft – und dann so was!

Dieses Schild, das nur selten sinnvoll verwendet wird, ist für mich ein rotes Tuch und bringt mich selbst bei Affenhitze ratzfatz auf die Palme.

Ein zu Stahlblech gewordenes Synonym für jenes Deutschland, das sich bis zum Stillstand absichert und reglementiert. Eigentlich möchte ich ja daran glauben, dass wir als Gesellschaft endlich den Gong gehört haben. In diesem Fall verkehrspolitisch und deregulierend.

Es muss einen Grund geben, warum hier mit Steuergeldern ein solches Schild aufgestellt wurde. Wie so oft gilt wahrscheinlich auch hier: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

Statt der Fahrradmobilität Tür und Tor zu öffnen, herrscht weiterhin eine kleinkarierte Zuständigkeits- und Verhinderungsmentalität. Vielleicht reagierte ich auch deshalb so heftig, weil ich bereits 40 km ausgewiesene Radstrecken und dezidierte Radwege in den Beinen und in den Knochen hatte – halt der übliche Hindernis- und Rüttelparcours, der sich Radweg oder noch euphemistischer »RadNetz in Baden-Württemberg« nennt. Die nächsten Kilometer radele ich ohne Motorunterstützung, da die Wut in die Pedale wandert und der Motor bei 25 km/h abregelt ;-)

Als ich am Ortsausgang von Schellbronn auf den Radweg einbiege, gerät mein Weltbild ins Wanken. Der seit vielen Jahren zunehmend marode Radweg wurde saniert und es kommen einem fast die Freudentränen, wenn man auf einem solchen Bilderbuch-Radweg dahinrollt. Er ist wunderbar eben, hat Begrenzungslinien für die Nacht und ist so breit, dass sich auch Lastenräder, Kinder- oder Hundeanhänger begegnen können. Das Einzige, was mir dabei bitter aufstößt, ist der »Blutzoll«, der diesen Ausbau wahrscheinlich (mit) ausgelöst hat. Hier kam am 1. Januar 2024 der Fahrradaktivist »Natenom« ums Leben, da er in der Dunkelheit den damals noch miserablen Radweg nicht benutzen wollte und stattdessen auf der Straße fuhr. Er war als Alltagsradler mit einer sehr guten Lichtanlage am Fahrrad und einer Warnweste ausgestattet …

Die nächste Überraschung: Der Bilderbuch-Radweg führt durchgängig bis nach Neuhausen. Bevor ich nun innerlich Abbitte leiste, holt mich die hiesige Radweg-Realität der (noch) viertgrößten Industrienation ein. Am Ortseingang endet die Radwegepracht sang- und klanglos. Als Radfahrer hat man die Wahl zwischen Landstraße, schmalem Gehweg oder dem Lidl-Parkplatz. Unambitionierter geht es nicht. Zumindest eine Ausleitung auf die Landstraße wäre hier angebracht gewesen. Im Land der Vorschriften und Regulierung scheint es wohl hier eine Lücke zu geben, und es sieht so aus, als hätte das angesagte, pragmatische Selberdenken und -handeln hier noch nicht funktioniert ;-)

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