Italien – Unterwegs im Mezzogiorno | Teil 1
Mezzogiorno – wörtlich »Mittag« – bezeichnet den Süden des Landes, jene Regionen, die lange als archaisch, benachteiligt und von der Geschichte übergangen galten: Kampanien, Apulien, Basilikata und Kalabrien.
Mit seinem autobiografischen Roman »Christus kam nur bis Eboli« hat der Arzt Carlo Levi diese »verlorene Welt« eindrücklich beschrieben. Das 1945 erschienene Buch war ein Weckruf, der das wohlhabende Norditalien mit dem vom Faschismus verschwiegenen Elend im Süden konfrontierte. Als eindringlicher literarischer Bericht trug das Werk dazu bei, die soziale Ungleichheit ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, und prägt bis heute das Verständnis des Nord-Süd-Gefälles in Italien.
Während Gott und die Welt in ihren Wohnmobilen die iberische Halbinsel umrunden und sich inzwischen zu jeder Jahreszeit an der Küste drängeln, folgten wir der losen, aber durchaus fixen Idee, einmal den italienischen Stiefel zu umrunden – insbesondere die »verlorene Welt« jenseits des Golfs von Neapel und der Amalfiküste.
Da die gesamte Reise »en bloc« zu umfangreich wäre, habe ich sie in mehrere Teile gegliedert. Vier werden es in jedem Fall, vielleicht auch fünf oder sechs, je nachdem ob ich den Schlussstrich im Gargano oder im Tessin ziehen werde ;-)
Fotonovelle № 01 | Cilento und Cilento-Nationalpark
Wir näherten uns dem Mezzogiorno in mehreren Etappen. Dabei verbrachten wir ein paar entspannte Tage am Bolsena-See und genossen die grandiose Natur im Majella- und im Abruzzen-Nationalpark. Von dem bezaubernden Bergdorf Opi aus führte uns eine lange Etappe an Neapel und dem Vesuv vorbei zum Golf von Salerno. Ein topografisch und geografisch gewaltiger Sprung mit Kulturschock. Unser Navi lotste uns unnötig früh von der erstklassigen und völlig entspannt zu fahrenden Autobahn ab, sodass wir in der rauen Peripherie von Salerno landeten. Dort erwarteten uns chaotischer Straßenverkehr, miserable Straßen, unzählige Baustellen und allgegenwärtiger Müll. Hier schienen sich alle Vorurteile und Befürchtungen zum Mezzogiorno zu bestätigen – freilich sollte es dann doch ganz anders kommen […]
Ausblick: Der zweite Teil von »Unterwegs im Mezzogiorno« ist geprägt von spannenden Kontrasten. Wir besuchten unter anderem einen Nationalpark, der uns an heimische oder nordische Regionen erinnerte.
Dorothea
am #Aebby
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