StorytellingStefan Stiener

Foto-Novelle – »Leeres Spanien«

03.04.2026 |

Es war unsere erste längere Reise nach 35 Jahren als Unternehmer. Nachdem wir unseren Betrieb im Jahr 2024 erfolgreich übergeben hatten, war unser grobes Ziel im Mai 2024 das »Leere Spanien«.

So lautet der Buchtitel von Sergio del Molino, auf den mich eine Buchbesprechung der FAZ aufmerksam gemacht hat. Offensichtlich ist mehr als die Hälfte Spaniens dünn besiedelt und 75 Prozent der Bevölkerung leben in Madrid und an den Küsten. Der Rest ist Landschaft mit sterbenden Dörfern und einer Bevölkerungsdichte, die in Europa nur von Lappland und einigen Regionen Finnlands unterschritten wird. Das klang doch super, also nichts wie hin ;-)

Foto-Novellen statt langatmigem Reiseprosa

Die Anreise erfolgte in Etappen. Zunächst besuchten wir Freunde im Burgund. Von dort aus ging es weiter nach Saint-Cyprien-Plage, wo unser Trauzeuge vor seinem 66. Geburtstag Zuflucht gesucht hatte. Einen Katzensprung weiter waren wir schließlich in Spanien. Im Naturpark „Volcanica de la Garrotxa” begann unser Treibenlassen durch die Regionen Katalonien, Aragonien und Kastilien-La Mancha, den wir insgeheim unter das Motto „Nichts erwarten und dennoch gespannt sein” gestellt hatten.

Anstelle eines epischen Reiseberichts lasse ich an dieser Stelle lieber die Bildergalerien samt Bildunterschriften sprechen – eine opulente Foto-Novelle in fünf Abschnitten. Im Unterschied zu einem Video erlauben die Bildergalerien eine ruhige Betrachtung im eigenen Rhythmus und Tempo. Eine Auswahl von 130 Bildern aus etwa 1.500 Aufnahmen mit Bildunterschriften erzählt, so hoffe ich, ihre ganz eigene Geschichte. Einen Hinweis kann ich mir nicht verkneifen: Für die Betrachtung eignet sich das Smartphone allerdings nur bedingt ;-)

[ 01 ]

»Von Weitem schien auch Tavertet ein »Schweineort« zu sein, die am Ortsrand stehenden Farmen sind nicht zu »überriechen«. Aber sobald man im Ort ist, wähnt man sich in einem Schweizer Resort.«
Tagebuch 10. Mai. 2024

[ 02 ]

»Auf dem Weg nach »Horta de Sant Joan« entdeckten wir eher zufällig eine versteckte und beeindruckende Sehenswürdigkeit, die wir ganz für uns allein hatten: »Lo Parot«, ein etwa 1.700 Jahre alter, gewaltiger Olivenbaum. Unglaublich!«
Tagebuch 18. Mai 2024

[ 03 ]

»In der 150 Jahre alten Parkanlage »Monasterio de Piedra« finden Natur und Gestaltung in kongenialer Weise zusammen, sodass eine Art Garten Eden mit unendlich vielen Sinneseindrücken entsteht: Pflanzen, Wasser, Felsen.«
Tagebuch 29. Mai 2024

[ 04 ]

[ 05 ]

»Unsere Begeisterung für »Labastide-d'Armagnac« kannte bald keine Grenzen mehr. Mit jeder Entdeckung glaubten wir, uns in einer Parallelwelt zu befinden, in der Sorgfalt, Schönheit, Kreativität und Achtsamkeit das Ruder übernommen haben.«
Tagebuch 10. Juni 2024

Resümee

»Wenn einer eine Reise tut …« Dieses geflügelte Wort von Matthias Claudius aus dem Jahr 1775 trifft auch auf unsere erste längere Reise zu. Wir haben mehr erlebt und gemeistert, als wir uns hatten träumen lassen, obwohl wir im Vorfeld versucht hatten, ins Kraut schießende Erwartungen zu vermeiden. Das leere Spanien sowie die Ziele rechts und links davon haben sich als gute Wahl erwiesen, auch mit dem Bewusstsein, dass wir mehr nicht gesehen haben als gesehen. Von der Angst, etwas zu verpassen (FOMO, »Fear of Missing Out«), konnten wir uns recht schnell lösen. Doch selbst in diesem Modus der selektiven Offenheit war die Eindrucksdichte immens, sodass wir nach sieben Wochen eine Sedimentations- und Verarbeitungsphase benötigten. Reisen ist eben etwas völlig anderes als Urlaub machen, es ist durchaus anstrengend.

Spanien ist dafür ein tolles Reiseland, auch außerhalb der Hauptattraktionen und Touristenregionen. Es bietet eine unglaublich abwechslungsreiche Landschaft sowie faszinierende Orte und Städte mit reichem kulturellem Erbe. Allerdings kann sich Spanien hinsichtlich der Campingplatz-Infrastruktur nicht mit Frankreich messen, speziell im Landesinneren. Apropos Frankreich: Abgesehen von der Maut kann man sich kein besseres Transitland nach Spanien wünschen, denn um nur durchzufahren, ist unser Nachbarland einfach zu schön. Und so viel sei schon mal verraten: Im Herbst 2025 sind wir bereits Wiederholungstäter.

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