StorytellingStefan Stiener

Geschafft – ein neuer Auftritt für die Konzertreihe »Jazz am Schießberg«

18.09.2026 |

Eine glückliche Konstellation aus Können und Wollen hat »Jazz am Schießberg« viel schneller und umfassender als gedacht zu einem neuen »Auftritt« verholfen.

Und wie so oft hat auch hier ein Projekt das nächste generiert: Nicht nur die Homepage wurde mit ehrenamtlicher Arbeit neu konzipiert und gestaltet, sondern auch das Logo, der Newsletter, die Veranstaltungsplakate usw.

Glückliche Konstellation

Wie in der Geschichte »Jazz am Schießberg – große Musik auf kleinem Berg« bereits erwähnt, sind wir seit 1. Dezember 2025 Teil des Organisationsteams. Wir waren aber nicht die Einzigen »Neuzugänge«, denn mit uns sind weitere Jazzliebhaber dazu gestoßen, und bei einer ersten Teamsitzung haben sich Fähigkeiten und Ambitionen offenbart, die das bisherige Team wunderbar ergänzten und entlasteten. Bei der Aufgaben- und Projektverteilung hatte ich die Themen Homepage, Fotografie und Grafikdesign für mich ausgeschaut. Freilich ist mir Wolfgang bei der Homepage zuvorgekommen, was sich im Nachhinein als großer Glücksfall herausgestellt hat.

Das fast vollständige Jazz-am-Schießberg-Team von links: Stefan, Ralf – Kurator –, Ursula, Patricia, Wolfgang, Monika, Beo und Sybille, die von Anfang an dabei ist. Nicht im Bild sind Philipp und Matthias, die ebenfalls von Anfang an dabei sind.

Kernprojekt: Homepage

Wie erstellt man eine zeitgemäße, der Konzertreihe angemessene Homepage mit einem Budget von 0 EUR und ohne Expertise im Erstellen von Websites? Wolfgang wollte dies mithilfe von KI versuchen und eine Arbeitsgruppe, der auch ich angehörte, sollte ihn dabei unterstützen. Als studierter Informatiker, der anschließend in der Geschäftsleitung eines international aufgestellten Mittelständlers gelandet ist, verfügte Wolfgang immerhin über die notwendigen Grundlagen. Ausschlaggebend war aber sicherlich, dass er eine Herausforderung suchte, die da lautete: »Eine Jazz-Website entsteht mit KI«.

Ich war anfangs sehr skeptisch, ob das gelingen würde. Zwar hatte ich schon drei Websites hinsichtlich Struktur und Inhalt konzipiert, jedoch immer mit einem professionellen Webdesigner an meiner Seite, der zudem sehr bewandert in Grafikdesign und Typografie war. Nun wollten zwei bis drei ambitionierte Amateure eine Seite erstellen, die sich an den Auftritten des Jazzclubs BIX oder des Theaterhauses Stuttgart orientierte.

Der Auftakt bestätigte zunächst meine Bedenken. Als es darum ging, eine passende Vorlage im schier unendlichen Angebot von WordPress zu finden, war die Beteiligung eher zurückhaltend. Da wir das Rad für die Website eines Jazzclubs jedoch nicht neu erfinden mussten, einigten Wolfgang und ich uns schließlich auf ein Template mit klarem und schlichtem Layout. Damit waren wir allerdings noch meilenweit von den gewünschten Anforderungen entfernt: eine dynamische Konzertvorschau auf der Startseite, Mouse-Over für das Header-Menü auf der Startseite, ein filterbares Konzertarchiv über die letzten 20 Jahre und ein Musikerarchiv mit Auftrittszählung. Leider ließ sich keine dieser Anforderungen mit dem kostenlosen Template umsetzen. Dafür setzte Wolfgang KI ein und nutzte die kostenlosen Varianten von »Astra + Astra Child«, »Elementor« und »The Events Calendar« sowie viel Zeit. Tiefer will und vorallem kann ich in diese Materie nicht einsteigen. Allen, die mehr dazu wissen wollen sei Wolfgangs Werkbericht in der »Kulturapotheke Calw« am 7. Oktober ans Herz gelegt.

Mein Job war es, das Erscheinungsbild der Seite zu gestalten und ein neues Logo für »Jazz am Schießberg« zu entwickeln – man wächst mit seinen Aufgaben. Patricia kümmerte sich um die Menüstruktur. Zwar lief es am Anfang etwas holprig, doch mit der Zeit entwickelten wir ein gutes Gespür füreinander – wir fürs Programmieren, Wolfgang für Layout und Typografie – und konnten uns die Bälle immer besser zuspielen. Früher als gedacht konnten wir dem Team einen ersten Entwurf vorstellen. Der Diskussionsbedarf war dann aber doch erheblich größer als erwartet. Rückblickend ist das aber völlig normal und zutiefst menschlich: Man wünscht sich eine Veränderung bzw. Erneuerung, doch sobald sie vor der Tür steht, schreckt man zurück. Dabei hat sich einmal mehr bewahrheitet, dass meine Stärken weniger im Mitnehmen als im Voranstürmen liegen ;-)

Die durchaus anstrengenden Diskussionen hatten natürlich auch eine produktive Seite: Gutes wurde noch besser. Mit dem Endergebnis ist nun nicht nur die Homepage-Gruppe, sondern das gesamte Jazz-am-Schießberg-Team überaus zufrieden. Die neue Internetpräsenz ist klar, modern, emotional, authentisch, nutzerfreundlich und unprätentiös und passt somit hervorragend zur Jazzmusik und der Konzertreihe, um die es letztendlich geht.

Dieses Projekt hat mir unheimlich viel Freude bereitet, denn es war eine Zusammenarbeit, wie man sie sich nur wünschen kann: engagiert, ambitioniert, kooperativ, verlässlich und wertschätzend. Ein winziges, positives Beispiel dafür, dass wir Menschen mehr können, als multiple Krisen zu verursachen und unseren Planeten zu verwüsten ;-)

Der Rattenschwanz

Schon als die neue Homepage ihre ersten Grundzüge annahm, stand fest, dass das bisherige Logo, die Veranstaltungsplakate, der Konzertgutschein und der Newsletter gleichzeitig überarbeitet werden sollten. Auch als »Verein« hat man da gewisse Ansprüche hinsichtlich der Konsistenz.

Das Logo

Den Anfang machte das Logo. Das ist eine heikle Angelegenheit, denn ohne sehr gute Gründe sollte man ein eingeführtes Logo nicht ändern. Zudem ist das (eigentlich) eine Aufgabe für Profis – zumindest, wenn man nicht mit KI-Einheitsbrei zufrieden ist. Aber auch hier galt der Budget-Rahmen von 0 EUR und das alte Logo in drei unterschiedlichen Ausführungen hatte sich überlebt, sodass kein Weg an einem neuen Signet vorbeiführte. Freilich waren meine Erfahrungen und Kompetenzen dafür recht überschaubar: Mein letztes und einziges Logo hatte ich vor 35 Jahren per Zufall kreiert, als ich den Schriftzug »Velotraum« mit Klebebuchstaben von Letraset und der Mikrogamma-Typografie zusammensetzte. Immerhin hatte die Bastelarbeit dann 35 Jahre lang als ikonographisches Markenzeichen Bestand. Ob mir das mit dem »Jazz am Schießberg«-Logo ebenfalls gelingt, wird sich zeigen. In jedem Fall habe ich erheblich mehr Zeit und Aufwand darauf verwendet. Auch hier gab es im Team zunächst viele Vorbehalte und kontroverse Diskussionen, die inzwischen jedoch in Zustimmung oder gar Begeisterung umgeschlagen sind.

Der Newsletter

Gleiches gilt für den von Patricia übernommenen Newsletter. Der bisherige Newsletter hat zwar alle faktischen Belange erfüllt, aber er hatte eine sehr frugale Anmutung. Eine der Herausforderungen für das neue Newsletter-Erscheinungsbild war das kostenlos zur Verfügung stehende Kajomi-Newsletter-System. Es ist zwar äußerst leistungsfähig, aber auch äußerst komplex und verschachtelt. Ich habe es mir einmal kurz angeschaut und resignierend für den Wechsel zu einem anderen Anbieter plädiert – wäre da nicht wieder der Budgetrahmen von 0 EUR gewesen. In bewundernswerter Manier hat Patricia dem System ein schönes, zur Homepage passendes Design und Funktionalität abgerungen. Völlig ohne KI, nur mit Zähigkeit und Ausdauer. ;-)

Die Veranstaltungsplakate

Auch die Gestaltung der neuen Veranstaltungsplakate war aufwändiger und erforderte mehr Gehirnschmalz als gedacht. Die alten Plakate hatten zwar im Laufe der Jahre einen hohen Wiedererkennungswert entwickelt, wirkten aber zunehmend überladen und etwas chaotisch strukturiert. Bestehendes zu kritisieren ist bekanntlich immer einfach, es wirklich besser zu machen, ist schon schwieriger. Die Plakate entpuppten sich als wesentlich härtere Nuss als gedacht – und das, obwohl ich bereits großzügig und ohne Rücksprache entschieden hatte, die Sponsoren nicht mehr auf dem Plakat zu nennen. Dennoch habe ich mir daran ziemlich lang die Zähne ausgebissen und meine ersten Entwürfe wurden selbst von der gestaltungs- und veränderungsaffinen Homepage-Gruppe zurecht infrage gestellt.

Ein paar Wochen später, nach der Analyse unzähliger Veranstaltungsplakate, verhalf mir Patricias Hinweis, die Konzertbilder »kleiner« zu machen, zum Durchbruch. Denn bisher war ich immer an den in ihrer Aussage und Qualität völlig unterschiedlichen Bandfotos gescheitert. Durch die Einbettung in einen Rahmen bzw. ein Passpartout vor einem ruhigen, dunkelfarbigen Hintergrund war dieses Problem gelöst und der Rest war dann Handwerk.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, ein Veranstaltungsplakat zu gestalten, und jede hat ihre Vor- und Nachteile. Im Idealfall gelingt eine ansprechende Symbiose aus Information und Emotion, wie es die neuen »Jazz am Schießberg«-Plakate anstreben. Sie schaffen mit ihrem prägnanten, orangefarbenen Logo, dem festen Raster und der klaren Informationshierarchie einen sofortigen Wiedererkennungswert für die Reihe »Jazz am Schießberg«. Großzügige, von einem dünnen Passpartout gefasste Musikerfotografien und individuell abgestimmte, dunkle Farbwelten geben jedem Konzert einen eigenen »Auftritt« und fügen sich gleichzeitig in den Charakter der Musikreihe ein. Grundlegende Informationen wie Bandname, Datum, Ort und ein weiterführender QR-Code sind auf einen Blick erfassbar und verbinden die emotionale Wirkung des Plakats mit vertiefenden Informationen auf der neuen Website. Nach dieser Hürde waren der einseitige Flyer (10,5 x 20,5 cm) sowie die Konzertgutschen bzw. Freikarten nur noch eine Fingerübung ;-)

Abschließend noch eine wesentliche Einordnung: Der neue Auftritt von »Jazz am Schießberg« konnte nur in dieser Form realisiert werden, weil ein kleines Team – bestehend aus Ralf, Beo, Sybille, Matthias und Philipp – über all die Jahre eine gute Grundlage geschaffen und die Veranstaltung auch durch schwierige Zeiten gebracht hat.

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